Sternfahrten

Aktionen, die corona- und klimaverträglich sind, haben sich die Evangelische Jugend im Evangelischen Dekanat Bergstraße um ihren Jugendreferenten Bruno Ehret und die Dekanatsjugendreferentin Ulrike Schwahn auf die Fahne geschrieben. So ging es jetzt am letzten Mai-Wochenende mit den Fahrrädern quer durch den Westen  des Dekanats. Federführend bei der Planung waren dabei die Zwillinge Steffen und Christian Wolff aus Lorsch bzw. Mörlenbach, die beide schon als Jugendliche bei zahlreichen Seminaren und Freizeitmaßnahmen mitmachten.

Startpunkt war jeweils das Haus-der Kirche in Heppenheim. Nach dem Schnelltest überbrückte man die Viertelstunde Wartezeit bis zum Testergebnis mit Warm-up-Spielen oder einem geistlichen Input. Ziele waren dann unter anderem das Naherholungsgebiet „Karlstern“ in Gartenstadt oder der Rheinstrand beim Atomkraftwerk Biblis, das mit seinen mächtigen Kühltürmen beeindruckend eine überwundene Energietechnik zu Lasten späterer Generationen repräsentierte.

Bei einer Tour waren Aufgaben zu lösen, die sich um die Evangelische Jugendvertretung drehten. Ob beim Yoga auf der Wiese, erlebnispädagogischen Aktionen oder der inhaltlichen Auseinandersetzung, „warum es zur Mittagspause vegane Pizza gab“: die Inhalte dieser Radtour drehten sich für die jugendlichen Teilnehmer:innen, die diesen Planeten noch viele Jahrzehnte zum Leben brauchen werden, um die Nachhaltigkeit zur Erhaltung der Schöpfung. Um alternative Fortbewegungsmethoden zum Verbrennungsmotor weiterhin einzuüben, werden die Brüder Wolff gerade als Maschinenbaustudenten über Bruno Ehret mit dem Dekanat Kontakt halten, um nach Corona mit Jugendlichen weitere Räume im Dekanat auf natürlichem Wege mit dem Rad und zu Fuß zu erschließen. Infos dazu gibt es im Dekanatsjugendbüro unter 06252-6733-51 oder auf der homepage www.ev-jugend-bergstrasse.com


Evangelische Jugend Bergstraße im eigenen Kirchentagsmodus

Die Geschäftsführenden (DJR) der Evangelischen Jugend Bergstraße Ulrike Schwahn und Bruno Ehret, sowie Jugendpfarrer Jan Scheunemann aus Reichenbach, hatten mit ihrer Jugendvertretung während der Zeit des digitalen Ökumenischen Kirchentag eigene Aktionen geplant. Jeden Morgen getestet und mit Abstandsregeln begann jeder Tag mit einem Gottesdienst-Stream aus Frankfurt oder einem analogen Impuls von den anwesenden Hauptamtlichen.

Nach einer digitalen Klausur am Donnerstag, in der unter anderem die Vollversammlung mit Neuwahlen am 24. September in der Stephanus-Gemeinde in Bensheim geplant wurde, waren an den nächsten Tagen Outdoor und Freizeitbeschäftigungen angesagt. Wenn auch die eine oder andere Radtour oder Wanderungen dem Wetter zum Opfer fiel, so entschädigte doch die lang ersehnte Geselligkeit für alles. Wie lange hatte man das nicht: gemeinsames Frühstück, Singen im Freien oder einfach wieder zusammen sein.

Bruno Ehret, neben seiner Geschäftsführung auch Dekanatsbeauftragter für den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt, ließ sich von dort mit einem Feierpaket mit den obligatorischen Schals, Kerzen und Liederheften ausstatten, dass die anwesenden Kids wenigstens ein Gefühl von dieser Großveranstaltung bekommen sollten. Nach dem live-stream Abschiedsgottesdienst am Sonntag hatten die Jugendvertreter:innen endlich wieder einmal für 4 Tage die Gewissheit, zusammen zu gehören in einer Gemeinschaft, die sich jetzt seit Monaten nur online gesehen hatte. Eine Sternfahrt durch das Dekanat Bergstraße, wie sie die Jugendvertretung im letzten Jahr während des digitalen Jugendkirchentags veranstaltet hatte, ist für den 29./30. Mai geplant. Wer dazu näheres wissen oder sich anmelden möchte, kann sich im Dekanatsjugendbüro unter 06252/6733-51 melden.


Spielräume für reale Begegnungen nutzen

Die Evangelische Jugend drängt darauf, dass in der Pandemie die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen wieder in den Blick genommen werden. Ihre mentale Gesundheit sei gefährdet, sagten Jugendvertreter und Jugendvertreterinnen bei einem Treffen mit dem Bergsträßer Dekan Arno Kreh, das im Freien vor dem Heppenheimer Haus der Kirche stattfand.

Studien hätten deutlich gezeigt, dass psychosomatische Auffälligkeiten, Antriebsarmut, Niedergeschlagenheit und Einsamkeit zugenommen hätten. „Die Schulen mal auf, mal geschlossen, die Unis dicht, gemeinsamer Sport unmöglich, Freizeitaktivitäten gleich null – das macht etwas mit Kindern und Jugendlichen“ sagt Kimberley van Cleave aus Bobstadt. Die 21-Jährige gehört dort dem Kirchenvorstand an, sie ist Mitglied der Evangelischen Jugendvertretung im Dekanat Bergstraße und auf Landesebene im Vorstand der Evangelischen Jugend Hessen und Nassau. Als Soziologiestudentin in Heidelberg hat sie in drei von bislang sechs Semestern keine Präsenzveranstaltungen gehabt. „Nur Menschen als Kacheln auf einem Bildschirm zu haben, ist etwas anderes als sich real gegenüberzusitzen. Im Grunde habe ich in diesen drei Semestern kaum etwas gelernt. Es gibt keine Online-Lehre, nur eine  Online-Leere – mit zwei e.“

Hoffen auf reale Begegnungen- v.l. Dekan Arno Kreh, Jugendreferent Bruno Ehret und Kimberly van Cleave von der Evangelischen Jugend | Bild: bbiew

Geschützter Raum außerhalb der Familie

Die Kinderförderangebote, für die sie sich als Werkstudentin engagiert, dürften derzeit nicht fortgesetzt werden. „Das ist für Kinder eine verlorene Zeit, die nicht einfach aufgeholt werden kann“, betont Kimberly van Cleave. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hätte stärker darauf pochen müssen, dass die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt werden. Denn die Kirche habe das Potenzial, einen geschützten Raum außerhalb der Familie zu bieten. Zu den Jugendtreffs seien immer auch Kinder gekommen, die dort Hausaufgaben erledigt hätten, die sie zu Hause nicht machen konnten oder wollten. „Wenn in der Familie alles zusammenbricht, haben sie dort mit allen ihren Fragen und Problemen immer einen sicheren Ort gefunden“, erläutert die 21jährige.

Spielräume nutzen

„Wir müssen der Jugend sehr schnell etwas ermöglichen – noch besser gestern als heute. Wichtig ist, dass die Türen wieder aufgehen“, sagt die Dekanatsjugendreferentin Ulrike Schwahn und betont: „In der Adoleszenz lösen sich Jugendliche von ihren Eltern ab. Sie sind dabei auf den Austausch mit Gleichaltrigen angewiesen.“ Das sei derzeit nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich.“ Wie es den Jugendlichen gehe, scheine öffentlich kaum von Interesse zu sein, so die Jugendreferentin.

Ein Jahr Pandemie sei für Jugendliche etwas anderes als für Erwachsene, betont Dekan Arno Kreh. „Sie befinden sich in einer Entwicklungsphase mit hoher Dynamik. Sie erfinden sich neu und wollen andere kennenlernen. Dass das ausgebremst wird, ist furchtbar.“ Nötig seien Angebote, die Kinder und Jugendliche auffangen könnten. Die Evangelische Jugend solle alle Spielräume für reale Begegnungen nutzen.

Jugend unter Generalverdacht

Dekanatsjugendreferent Bruno Ehret plädiert dafür, reale Treffen und Veranstaltungen wieder zu ermöglichen. „Wenn wir als Evangelische Jugend zusammenkommen, können wir uns gegenseitig mit tagesaktuellen Tests schützen. Veranstaltungen können auch im Freien stattfinden. Das ist vertretbar“. Das Verbot solcher Zusammenkünfte hält er für unverhältnismäßig.

Die Jugend sei mit der älteren Generation stets solidarisch gewesen. Umgekehrt hätte sich unter den Jugendlichen der Eindruck verdichtet, dass sie unter Generalverdacht gestellt würden. Wenn man ihnen Freiheiten ließe, so das gängige Vorurteil, würden sie nur Corona-Partys feiern, kritisiert die Evangelische Jugend. Kimberly van Cleave gibt noch einen weiteren Umstand zu bedenken. „Etliche Schülerinnen und Schüler, die sich vor Corona an den Fridays-for-Future-Demonstrationen beteiligt hatten, bekamen Strafarbeit für Schulschwänzen aufgebrummt. Heute dürfen sie nicht in die Schule.“

Machen, was möglich ist

Dekan und Evangelische Jugend ziehen nach eigenen Angaben an einem Strang. Was möglich sei, sollte auch gemacht werden – mit Abstand, mit Tests, im Freien. So ist am 11. Juli der Dekanatskirchentag für Groß und Klein als reales Treffen in Lampertheim geplant. Dafür hat der Vorbereitungskreis ein ausgeklügeltes Corona-Schutzkonzept erarbeitet.

Text: Berndt Biewendt


Jugendleiterausbildung in Coronazeiten

Die Evangelische Jugend Bergstraße hat im Januar ihr Abschlussseminar für den Erwerb der Jugendleiterkarte (JuLeiCa) durchgeführt. Was im letzten Jahr noch im dekanatseigenen Gerhardt-Hauptmann-Haus in Scharbach mit gemeinschaftlichem Kochen und Feiern geschah, musste in diesmal digital stattfinden. Katja Folk, Referentin für Kirche mit Kindern, und Dekanatsjugendreferent Bruno Ehret hatten gemeinsam mit dem Gemeindepädagogen Arik Siegel und Jugendvertretern des Dekanats (EJVD) dafür ein online Seminar entworfen. Immerhin ließen sich 10 home-schooling-geplagte Jugendliche aus 7 Gemeinden darauf ein, ihre Ausbildung zum/r Jugendleiter/in damit abzuschließen.

Die beiden Vorsitzenden der EJVD Maren Fischer und Marilena Meyer, letztere zur Zeit im freiwilligen sozialen Jahr im Dekanat tätig, wirkten als Eigengewächse der Dekanatsjugendarbeit mit ihren Kompetenzen auch in den Seminareinheiten mit. „Aufsichtspflicht und Haftung“ oder „Wie gestalte ich eine Gruppenstunde“ waren dabei Themen, die sie methodisch an die digitale Form angepasst mit den Teilnehmenden bearbeiteten. Den Samstag Vormittag gestaltete Edith Zapf, Dekanatsbeauftragte für das Kindeswohl mit ihrem Baustein, der wegen seiner Brisanz in keinem JuLeiCa-Seminar fehlen darf.

Am Samstagnachmittag ging das Online-Seminar mit „digitalen Spielen für eine Gruppenstunde“ in seine abschließende Phase, wobei die Teilnehmenden in einem open end bis abends die neuen Spiele durchprobierten. Am 26 Juni beginnt die nächste Runde für Interessierte an der LuLeiCa-Ausbildung mit einem Einsteiger Tag, hoffentlich wieder live. In den Herbstferien (16.-23.10.21) ist dann wieder die große Mitarbeiterschulung in Stein/Ostsee geplant, wo die Dekanatsjugendreferentin Ulrike Schwahn wieder dabei sein wird. Infos dazu sind zu finden auf der Homepage der EJVD Bergstraße (ev-jugend-bergstrasse.com) oder im Haus der Kirche in Heppenheim, Ludwigstraße 13 unter den Rufnummern 06252 / 6733 – 47, oder – 51.


Lebendiger Adventskalender

für Kinder und Familien der Dekanates Bergstraße

In diesem Advent wird alles anders: es wird wenig bis gar keine Feiern und Aktionen im Advent geben. Vielleicht ist das auf der einen Seite gar nicht so schlecht, wenn wir zwangsweise etwas herunterfahren und der Advent wirklich einmal ein bisschen von Ruhe und Besinnlichkeit geprägt ist. Auf der anderen Seite ist es natürlich schade, dass all die Weihnachtsfeiern, Bastelnachmittage, Kinderaktionen, Weihnachtsmärkte und bestimmt auch der ein oder andere Gottesdienst nicht stattfinden können. Deswegen haben wir im Dekanat überlegt, wie wir diese Lücke füllen können.

Herausgekommen ist der lebendige Adventskalender. An jedem Tag vom 1. Adventswochenende bis zum Heiligabend wird es auf unserer Homepage eine kleine Überraschung geben: und zwar in digitaler aber auch in realer Form, für drinnen sowie für draußen. So wird es für daheim kleine Audiodateien mit Adventsgeschichten zum Anhören, Filme oder Bilder mit Bastelvorschlägen geben. Zum Mitmachen laden Backnachmittage über Zoom und kleine Aktionen in Kirchengemeinden, wie z.B. eine gestaltete Adventsspirale oder ein Lagerfeuer, ein.

An jedem Sonntag wartet eine kleine Adventsandacht auf kleine und große Zuschauer und Zuschauerinnen. Verantwortet wird der lebendige Adventskalender von den Dekanatsreferentinnen für Familie und Kirche mit Kindern, Nicole Metzger und Katja Folk. Viele unterschiedliche Menschen aus allen Regionen unseres Dekanats gestalten diesen Kalender mit, z.B. aus Auerbach, Birkenau, Einhausen, Fürth, Gronau Zell, Hammelbach, Heppenheim, Hüttenfeld, Lautertal, Lorsch, Wald-Michelbach und Zwingenberg.

Die Verantwortlichen laden alle interessierten Kinder und Familien ganz herzlich ein, ab dem 28.11. dabei zu sein, entweder über die Dekanatshomepage (www.dekanat-bergstrasse.ekhn.de) oder die Jugendhomepage des Dekanats (www.ev-jugend-bergstrasse.com).


Andacht mit Gerda Giraffe

Sieben Jugendliche aus allen Teilen unseres Dekanats haben sich zusammen geschlossen, um gemeinsam während des zweiten Lockdowns ein Onlinegottesdienstangebot für Kinder und ihre Eltern zu entwickeln. Herausgekommen ist die monatliche Reihe „Andacht mit Gerda Giraffe“. Bei der ersten Andacht, bei der 6 der Jugendlichen mitgewirkt haben,  ist die Handpuppe Gerda sehr ängstlich und frustriert wegen der ganzen Coronasituation. Aber zum Glück kennt Mattes eine tolle Geschichte aus der Bibel gegen die Angst…  Die Jugendlichen gestalten die ganze Andacht komplett selbst – begonnen vom Musikteam mit Heni Stöckinger und den Schwestern Marilena und Theresa Meyer, über die Liturgie mit Johanna und Mattes Engel und Helene Quaschning, die auch Gerda zum Leben erweckt bis zur gemalten und gesprochenen Geschichte von Mattes, Marilena und Theresa.

Kleine und große Zuschauer sind eingeladen, die Andacht nicht nur anzuschauen, sondern an einigen Stellen aktiv mit zu machen.

Hier geht es zu den Andachten mit Gerda Giraffe


Mitarbeiterschulung in Görlitz

Die Mitarbeiterschulung (MAS) der Evangelischen Jugend im Dekanat Bergstraße wurde Corona bedingt von Ostern auf die erste Herbstferienwoche verschoben und ging nach Görlitz in die „Peregrinus-CVJM-Herberge“. Unter der Leitung der Referentin für Kirche mit Kindern Katja Folk und Jugendreferent Bruno Ehret kamen Jugendliche aus 14 Dekanats-Gemeinden mit an die deutsch-polnische Grenze, um sich für die Jugendleiterkarte zu qualifizieren. Coronabedingt musste die Teilnehmerzahl auf 20 und die Veranstaltungstage auf 6 reduziert werden.  

Für die Verpflegung erklärte sich die Gemeindepädagogin aus Fürth Birgit Ruoff verantwortlich. Gemeinsam mit Kimberly van Cleave, eine der Dekanatsjugendvertreterinnen (EJVD) und Kirchenvorstands (KV) -Mitglied aus Bobstadt, sorgten sie für eine bewusste Ernährung und boten alternativ vegetarische und vegane Kost an.

Die Seminareinheiten beinhalteten Standards der JuLeiKa-Ausbildung, wie z.B. „Kommunikation – Wie kann sie gelingen“ oder „Strukturen verbandlich organisierter Jugendarbeit“ usw. Der Baustein „Dynamik in Gruppen“ wurde erstmals von Marilena Meyer durchgeführt. Sie leistet ihr Freiwilliges soziales Jahr im Dekanat ab und ist in der EJVD aktiv. Hannah Ferber, EJVD Mitglied aus Bensheim, erarbeitete mit den Kursteilnehmer:innen die Gestaltung von Jugendgottesdiensten. Nach jedem Abendessen leitete einer dieser selbst gestalteten Gottesdienste das Spätprogramm ein.

Der Umgang mit Medien wurde mit selbst erstellten „Actionbounds“ (digitaler Schnitzeljagd) und Imagefilmen rund um Görlitz eingeübt. Bei der Diskussion um den Film „die Welle“ wurde die Gefahr verdeutlicht, wie Gruppenprozesse diktatorisch manipuliert werden können.

Um die JuLeiKa-Ausbildung mit allen Bausteinen abschließen zu können, findet ein MAS-Wochenende vom 22.-24. Januar 2021 im Gerhardt-Hauptmann-Haus in Scharbach statt.


Mehr als Wandern

Pilgern an der Ostseeküste

Ulrike Schwahn, Jugendreferentin im Evangelischen Dekanat Bergstraße, und ihr Kollege Jürgen Zachmann vom Dekanat Darmstadt-Land haben jungen Erwachsene auf ihrer zehntägigen Pilgertour auf dem Jakobsweg und dem Küstenweg in Mecklenburg-Vorpommern begleitet. Ist Pilgern mehr als Wandern? Was heißt es, sich mit Gleichaltrigen auf den Weg zu machen? Stimmen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Für die Pfungstädterin Laura ist die Tour „ein Urlaub der besonderen Art, raus aus der Komfortzone, sich was zutrauen und was ausprobieren“ und ihre Freundin Fiona betont: „Pilgern ist sehr intensiv, eine echt gute Erfahrung. Das habe ich so in allen Facetten noch nicht erlebt.“ Daniel, der in Bürstadt wohnt und in Heidelberg Physik studiert, nutzt das Pilgern als Auszeit, „um aus Alltag rauskommen“. Lena, die gerade ein Studienpraktikum bei der Evangelischen Jugend Darmstadt-Land absolviert, fand zum einen die „spirituelle Herausforderung interessant“ und zum andern „spannend zu erleben wie Freizeiten gestaltet werden können“.

Jane hatte „Zeit und Lust für das Wandern auf dem Jakobsweg“ und wollte „neue Leute kennenlernen und sich austauschen“. Sie fand es gut, dass die Pilgertour nicht wie zunächst geplant in Spanien stattfand, sondern Corona bedingt in den Norden von Deutschland verlegt wurde. So beschreibt es auch Lilly aus Kleve am Niederrhein: „Ich wollte schon immer mal den Jakobsweg entlang der Ostsee laufen, zumal ein Teil meiner Familie von hier kommt“.

„Es ist ein anderer Lebensrhythmus, archaisch und reduziert auf Grundbedürfnisse, wir laufen, kochen und essen, waschen uns und schlafen. Gemeinsam starten wir mit einem geistlichen Impuls in den Tag, das kann in einer Kirche oder auf einer Wiese sein“, erläutert Jürgen Zachmann und Dekanatsjugendreferentin Ulrike Schwahn ergänzt: „Jede und jeder läuft im eigenen Tempo, manchmal allein, zu zweit oder zu dritt, mal redend, mal schweigend.“ Wer nach rund 15 Kilometer eine Schwächephase hatte, konnte zudem den Begleitbus nutzen, der die Zelte transportierte.

Stralsund statt Santiago

Die Pilgertour startete auf der Insel Usedom und von dort lief die Gruppe bis nach Greifswald auf dem Jakobsweg, anschließend weiter auf dem Küstenwanderweg bis zum Fischland Darß. Die letzte Etappe endet in Ribnitz-Damgarten. Das ist eine Wegstrecke von rund 220 Kilometer. Anstatt in spanischen Pilgerherbergen nächtigen die Frauen und Männer in Einzelzelten auf Campingplätzen oder in Einrichtungen der Evangelischen Kirche.

Hier zeigte sich auch der Unterschied zu den professionellen Pilgerangeboten in Spanien, meinte Jürgen Zachmann. „In Stralsund und anderen Orten in Mecklenburg-Vorpommern sind wir von Schwestern und Brüdern mit offenen Herzen eingeladen worden, die Gemeindehäuser und Kirchen für Übernachtung und spirituelle Einkehr zu nutzen. Letztendlich hatten wir viel mehr Zusagen, als wir buchen konnten.“ Auch Ulrike Schwahn war begeistert von den Begegnungen mit den Menschen im Norden, der Naturlandschaft und auch den stillen, einsamen Strecken dieser besonderen Tour: „Pilgern ist eine schöne Möglichkeit für junge Erwachsene aufzutanken.“ Oft seien diese ehrenamtlich aktiv, aber für sie gebe es in der Kirche wenig Angebote.


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