GEBETE

„… dass Du hörst.“

Es gibt Zeiten, Gott,
da weiß ich nicht,
wie Du bist, ob Du bist,
da ist es nur wichtig,
dass Du hörst.

Darauf hoffe ich,
wenn alles fraglich wird,
wenn die Welt, das Leben, ich selber
auf einmal verrücktspiele:
dass Du hörst.

Dass Du hörst
meine Sorgen und Ängste,
meine sprachlosen Klagen
und das Gebet
aller Fremden, Witwen und Waisen dieser Welt.

Dass Du sie hörst,
selbst dann, wenn sie verstummen,
wenn ihr Leid die Sprache verschlägt –
ihnen, anderen, mir.
Du lässt es an Dich heran,
wenn niemand es mehr hören kann.

Weil Du sie hörst,
will ich nicht schweigen,
will ich für sie, von ihnen, mit ihnen sprechen
und selbst zum Ohr werden
wie Du.
Thorsten Latzelt

PSALM 23

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar.

Seht, welch ein Mensch!

Über dich, Christus, hat man das gesagt.
Als du da gestanden bist.
Zum Tode verurteilt.
Mit Dornenkrone auf dem Kopf.
Wehrlos. Verspottet. Geschlagen.
Seht, welch ein Mensch!
Manchmal, da wünschte ich,
du wärest mächtiger.
Allmächtig gegen das Virus, gegen die Kriege,
gegen den Egoismus.
So bist du nicht.
Du stellst dich nicht über uns.
Du stehst neben uns.
Seht, welch ein Mensch!
Ich sehe dich. Und fühl mich nah.
Ich weiß nicht, wie das kommt.
Mehr Gefühl als Gedanke.
Eine Rührung, die tröstet.
Und stärkt. Und in Bewegung bringt.
Die verbinden kann – trotz Abstandsregeln.
Seht, welch ein Mensch!
Seht, welch ein Gott!
Du bist uns nah, du Mensch, du Gott.
Du bist bei jedem Menschenkind.
Auf den Intensivstationen, in Italien, in Spanien, bei uns.
In einsamen Wohnungen.
Auf der Straße bei Menschen ohne Hoffnung.
Bei allen, die in Angst sind und in Sorge.
Bring ihnen die Liebe mit.
Und Menschen, die sie stärken:
Die die Kranken pflegen.
Die uns mit Lebensmitteln versorgen.
Die nach Medikamenten forschen.
Die uns regieren und Lösungen suchen.
Die Zuversicht verbreiten.
Und so viele andere, die sich einsetzen.
Erschöpft und doch voller Kraft.
Seht welche Menschen!
Bleib du bei ihnen.
Bleib du bei uns, du Mensch, du Gott.
Berühre und bewege uns.
Damit wir mutig durch diese Zeit kommen.
Amen
 
Text: Doris Joachim, Referentin für Gottesdienst
© Zentrum Verkündigung der EKHN
In Zeiten des Coronavirus – 26. März 2020

WIE EINE MUTTER TRÖSTET

Gebet mit Bezug zu Jesaja 66,13
(Gott sagt: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“)
Lass dir erzählen, Gott, wie es uns geht.
In diesen Tagen.
Wo alles so anders ist.
So durcheinander.
Wo die Sonne lacht_
und wir die Freude vergessen.
Wo die Natur neues Leben hervorbringt
und wir in Ängsten sind._
Tröste uns, wie eine Mutter tröstet.
Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Alten in den Pflegeheimen,
die wir nicht mehr besuchen dürfen wie sonst.
Und den Kranken,
die meist ohne ihre Lieben in den Krankenhäusern sind.
Allen Menschen, die in ihren Wohnungen bleiben müssen
und die Einsamkeit fürchten.
Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.
Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Kindern, die die Sorge der Erwachsenen spüren.
Den Jugendlichen, für die Ruhe halten so schwer ist.
Den Eltern, die jetzt so viele Lösungen finden müssen.
Allen Menschen, die um ihre Existenz fürchten.
Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.
Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Menschen, die sowieso schon am Ende ihrer Kräfte sind.
In den Flüchtlingslagern in Griechenland und anderswo.
In den griechisch-türkischen Grenzgebieten.
Und lass dir erzählen von den vielen Menschen,
dort und hier,
die helfen und nicht müde werden.
Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.
Gott, schütte sanft deinen Trost über uns aus.
Der uns umhüllt.
Und Segen dazu.
Der uns immun macht
gegen die Panik.
Sage zu unserem ängstlichen Herzen:
„Beruhige dich.“
Sprich zu unserer verzagten Seele:
„Ja, die Gefahr ist da. Aber ich bin bei dir.“
Und noch dazu und allem zum Trotz:
Gib uns die Freude wieder.
An der Sonne.
An der aufbrechenden Natur.
An den Menschen, die wir lieben.
An dir, du Gott des Lebens.
Damit wir mutig durch diese Zeit gehen.
Amen

[Doris Joachim, Referentin für Gottesdienst]

19. März 2020

GEBET ZU HEILUNG, HOFFNUNG UND VERANTWORTUN

Gott, unser Schöpfer, der alle Sterne bei ihrem Namen ruft,
der die Glühwürmchen zum Tanzen und die Berge zum Frohlocken bringt,
und der die lila Krokusse ermutigt, ihre Köpfe durch den Schnee zu stecken.

Wir halten inne in Dankbarkeit für die Schönheit, die uns immer umgibt
und für das Versprechen, dass das Leben weiter geht.
Pflanze eine Hoffnung in unsere Herzen, die dem Coronavirus widersteht
und schenke uns das Vertrauen in Deine Macht,
auch den schlimmsten Krankheiten noch etwas Gutes abzutrotzen.

Gott der Heilung und der Hoffnung,
wir beten, dass Du die fiebernde Stirn der Kranken kühlst,
und dass die Sterbenden Deine Stimme der Liebe hören, die stärker ist als der Tod.
Schenke allen, die sich um Kranke kümmern,
Dein heilendes Mitgefühl und ermutige diejenigen,
die einsam sind in ihrer Isolation durch Deine friedenstiftende Gegenwart. 

Wir beten, dass der Coronavirus uns dazu bewegt, über unsere Verantwortung nachzudenken –
einzeln und als Gemeinschaft derer, denen Deine Schöpfung am Herzen liegt.
Bewege uns durch deinen berechtigten Zorn endlich zum Handeln. Lass uns jetzt lang überfällige Veränderungen angehen, damit Deine gesamte Schöpfung Raum zum Atmen bekommt.

Wir beten, dass Du in die Angst der Menschen hineinregierst, bevor sie ansteckend wird.
Stärke Du das Vertrauen als Basis des menschlichen Miteinanders.
Lass die unermüdlichen Bemühungen der Wissenschaft 
zu neuen und effektiven Mitteln gegen den Virus führen und 
leite die Menschen in Machtpositionen an, 
weise, wahrhaftige und integre Entscheidungen zu treffen. 

Gott, der Du Dich uns liebevoll zuwendest:
in diesen Zeiten wird uns schmerzhaft unsere Verletzlichkeit bewusst.
Wir bitten demütig darum, dass sie nicht zu größerer Angst,
sondern zu einem tieferen Glauben führt.

Dem Glauben daran, dass nichts uns von Deiner Liebe trennen kann –
weder heute noch in Zukunft.

Amen.

[Text: Jeffrey Myers, Übersetzung aus dem Englischen: Birgit Arndt]
18.03.2020

„BITTE UM BEISTAND DURCH ENGEL“ ZU PSALM 34,8 AN OKULI

Jetzt, mein Gott, täten Engel gut.
An unserer Seite und um uns herum.
Denn wir brauchen Mut.
Und Phantasie.
Und Zuversicht.
Darum: Sende deine Engel.

Zu den Kranken vor allem.

Stille

Und zu den Besorgten.

Stille

Sende deine Engel zu denen, die anderen zu Engeln werden:
Ärztinnen und Pfleger,
Rettungskräfte und Arzthelferinnen,
alle, die nicht müde werden, anderen beizustehen.

Stille


Sende deine Engel zu den Verantwortlichen
in Gesundheitsämtern und Einrichtungen,
in Politik und Wirtschaft.

Stille


Und zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
auf der Suche nach Heilmitteln und Impfstoffen.

Stille


Sende deine Engel auch zu denen,
an die kaum jemand denkt – jetzt in der Zeit der Epidemie:
Die Menschen auf der Straße,
die Armen,
die Geflüchteten in den Lagern in Griechenland
und im türkisch-griechischen Grenzgebiet.

Stille

Jetzt, mein Gott, tun uns die Engel gut.
Du hast sie schon geschickt.
Sie sind ja da, um uns herum.
Hilf uns zu sehen, was trägt.
Was uns am Boden hält und mit dem Himmel verbindet,
mit dir, mein Gott.
Denn das ist’s, was hilft und tröstet.
Jetzt und in Ewigkeit.

Amen.

[von Pfarrerin Doris Joachim]

13.03.2020

AN DIE NÄCHSTEN DENKEN

Mögen die, die den Vorteil von Heimarbeit haben,
sich an die erinnern,
die sich Kranksein nicht leisten können und zur Arbeit müssen,
um ihre Miete zu bezahlen.
Mögen die, die eine flexible Kinderbetreuung haben,
wenn Schulen und Kitas geschlossen sind,
sich an die erinnern, die diese Möglichkeit nicht haben.

Mögen die, die Reisen absagen müssen, sich an die erinnern,
die keinen sicheren Zufluchtsort haben.
Mögen die, die etwas zurückgelegtes Geld
in den Turbulenzen des Börsenmarktes verlieren,
sich an die erinneren, die gar keine Rücklagen haben.
Mögen die, die zu Hause in Quarantäne bleiben müssen,
sich an die erinnern, die kein Zuhause haben.

Während Furcht sich unseres Landes bemächtigt,
lass uns auf Liebe setzen.
Wenn wir uns körperlich nicht in den Arm nehmen können,
lass uns andere Wege finden,
wie wir an unsere Nächsten weitergeben, dass Gott uns umarmt.

Amen.

[Text: Cameron Wiggins Bellm, Übersetzung ins Deutsche: Peter Reimann]

MEDITATION „FÜRCHTET EUCH NICHT“ ZU PSALM 34,8 (OKULI)

Der Engel Gottes  lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

Engel.
Sie lagern um uns herum.
Sie breiten ihre Flügel aus oder ihre Arme – je nach dem.
Sie schützen nicht vor dem Virus.
Aber vor der Angst.
Das können sie:
Uns die Angst nehmen.
Und die Panik vor dem, was uns beunruhigt.
Engel wiegen uns nicht in falscher Sicherheit.
Aber sie können die verängstigte Seele wiegen.
In ihren Armen oder Flügeln – je nach dem.

Im Moment reicht ein Engel nicht.
Da brauchen wir schon ein paar mehr.
Die Fülle der himmlischen Heerscharen,
wie damals – als Jesus geboren wurde – da waren sie alle da.
Die Engel.
Und sie haben gesagt: Fürchtet euch nicht.
Denn sie fürchteten sich – also die Hirten.
Und wir fürchten uns auch.
Vor dem, was plötzlich kommen könnte.
Oder was schon da ist.
Wir fürchten uns vor der Ungewissheit und vor dem,
was uns den Boden unter den Füßen wegzureißen droht.
Damals haben die Engel eine große Freude verkündet,
die allem Volk widerfahren soll.
Nämlich, dass der Heiland geboren sei.

Das klingt wie von einem anderen Stern.
„Große Freude.“
Aber wieso sollte das nicht auch heute gelten?
Ist Gott etwa nicht da, nur weil das Virus da ist?
Fürchtet euch nicht.
Das will ich auch jetzt hören.
Daran halte ich mich fest.
Mitten in der Angst – Freude.
Mitten in der Angst – ein Lächeln.
Mitten in der Angst – helfende Menschen.
Mitten in der Angst – Solidarität unter uns.
Das gibt es ja alles.
Trotz Corona. Mancherorts auch gerade wegen Corona.
Mitten in der Angst, mitten in der Sorge – die Engel.
Sie schützen nicht vor dem Virus – so ist das halt.
Aber es sind die himmlischen Wesen, die uns Bodenhaftung geben können.

Okuli – das heißt: meine Augen.
Ich will meine Augen öffnen und die Engel sehen.
Oder hören. Oder spüren.
In mir, hinter mir, neben mir.
Auch in den Menschen, denen ich begegne.
Jetzt halt etwas mehr auf Abstand oder per Telefon.
So geht es auch.
Gottes Engel lagern um uns her und helfen uns heraus.
Das glaube ich gewiss.

[von Pfarrerin Doris Joachim]

13.03.2020

VATER UNSER

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.Amen.

Matthäusevangelium 6,9-13